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»Chaos als Symphonie: Performance in der Galerie xhoch4«
Donaukurier - 12.07.2010
Ingolstadt (ksd) Man möchte
nicht Rumpelns Nachbar sein, der „Unruhestiftung“ wegen, die er erklärtermaßen betreibt. Aber wenn der Performer und Videoartist Anton Kaun, der eben unter dem Markennamen Rumpeln sein lautstarkes Unwesen betreibt, zu Gast ist für einen Late-Night-Auftritt in Ingolstadt, ist man doch ziemlich hingerissen. Ein ungewöhnliches Event setzte die junge Galerie xhoch4 also in die hiesige lauschige Kulturszene: ohrenbetäubend. Augenverwirrend.
Schweißtreibend. Und ungeheuer
schräg.
Was ist passiert? Um 22 Uhr drängt sich das Volk vor dem kleinen Ausstellungsraum des Designkollektivs in der Kupferstraße – längst sind die Eröffnungen hier Kult und das quer durch alle Altersschichten. Tatsächlich ist die Performance Vernissage: Denn bis September werden in der Galerie ein paar Zeichnungen, Videos und elektrotechnische Objekte des 36-jährigen Weilheimers zu sehen sein. Die sind witzig, genial, verschroben, verraten aber nur einen Bruchteil dessen, was Anton Kaun aka Rumpeln so ungewöhnlich macht. Dazu braucht’s dann schon die Noise-Video-Performance.
Es gibt: eine Art Mischpult, zwei Bildschirme und eine Wand. Es gibt rasche, rhythmische Bildfolgen auf allen drei Seh-Flächen gleichzeitig und getaktet – und seltsamsten Inhalts übrigens. Rumpeln, der eine Banane essen will, alte Männerfüße in Socken, Strandfamilienidylle aus Knetfiguren, sich abschlachtende Barbiepuppen, Bauzeichnungspläne. Dazu für die Ohren Krach, Lärm, Elektro, Rock, Gitarrensounds. Und es gibt den Künstler selbst.
Der, ein dunkelblondes, mageres Energiebündel, hantiert hektisch an Reglern von Spielekonsolen, schmeißt Uralt-Handys in den Raum, schleudert, schlenkert und verwickelt Mikrofone, schrappt mit Schlagzeugbesen über Wände, brüllt und schmeißt sich rückwärts hin – und addiert so immer noch einen neuen Noise zum Krach dazu. Aber das Feine, Schöne, Delikate, Entzückende daran: In dem ganzen wilden Audio-Visual-Ansturm steckt eine Art stiller Konzentration, leben Differenzierung, Chaos-Harmonie, etwas zutiefst Natürliches. Vielfältige Rhythmen und Stile, Brüche, Verzögerungen, Accelerandi im Laut und in den getaktet pulsenden Bildern – die Symphonie ist Rumpelns eigene und sehr gute Kunst. Der liegt natürlich ein perfekt ausgeführtes Handwerk, ein umfassendes Wissen über Verkabelungen und Verbindungen, kurz, ein komplexes elektrotechnisches Gerüst zugrunde, welches man, überwältigt, vergewaltigt, spürt und goutiert. Auch wenn der Großteil der Gäste das lange Lärm-Event zuletzt vorsichtshalber von draußen durch die Fensterscheiben verfolgt: An diesem Auftritt gibt es keinen Zweifel. So und nicht anders muss eine junge „Kulturclique“ arbeiten!
Termine
Antonomasie“ heißt die Ausstellung des Video- und Performancekünstlers Anton Kaun aka Rumpeln in der Galerie xhoch4. Zu sehen sind Zeichnungen, Videoarbeiten und elektrotechnische Objekte. Die Schau ist bis 4. September jeweils samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. ksd
Was ist passiert? Um 22 Uhr drängt sich das Volk vor dem kleinen Ausstellungsraum des Designkollektivs in der Kupferstraße – längst sind die Eröffnungen hier Kult und das quer durch alle Altersschichten. Tatsächlich ist die Performance Vernissage: Denn bis September werden in der Galerie ein paar Zeichnungen, Videos und elektrotechnische Objekte des 36-jährigen Weilheimers zu sehen sein. Die sind witzig, genial, verschroben, verraten aber nur einen Bruchteil dessen, was Anton Kaun aka Rumpeln so ungewöhnlich macht. Dazu braucht’s dann schon die Noise-Video-Performance.
Es gibt: eine Art Mischpult, zwei Bildschirme und eine Wand. Es gibt rasche, rhythmische Bildfolgen auf allen drei Seh-Flächen gleichzeitig und getaktet – und seltsamsten Inhalts übrigens. Rumpeln, der eine Banane essen will, alte Männerfüße in Socken, Strandfamilienidylle aus Knetfiguren, sich abschlachtende Barbiepuppen, Bauzeichnungspläne. Dazu für die Ohren Krach, Lärm, Elektro, Rock, Gitarrensounds. Und es gibt den Künstler selbst.
Der, ein dunkelblondes, mageres Energiebündel, hantiert hektisch an Reglern von Spielekonsolen, schmeißt Uralt-Handys in den Raum, schleudert, schlenkert und verwickelt Mikrofone, schrappt mit Schlagzeugbesen über Wände, brüllt und schmeißt sich rückwärts hin – und addiert so immer noch einen neuen Noise zum Krach dazu. Aber das Feine, Schöne, Delikate, Entzückende daran: In dem ganzen wilden Audio-Visual-Ansturm steckt eine Art stiller Konzentration, leben Differenzierung, Chaos-Harmonie, etwas zutiefst Natürliches. Vielfältige Rhythmen und Stile, Brüche, Verzögerungen, Accelerandi im Laut und in den getaktet pulsenden Bildern – die Symphonie ist Rumpelns eigene und sehr gute Kunst. Der liegt natürlich ein perfekt ausgeführtes Handwerk, ein umfassendes Wissen über Verkabelungen und Verbindungen, kurz, ein komplexes elektrotechnisches Gerüst zugrunde, welches man, überwältigt, vergewaltigt, spürt und goutiert. Auch wenn der Großteil der Gäste das lange Lärm-Event zuletzt vorsichtshalber von draußen durch die Fensterscheiben verfolgt: An diesem Auftritt gibt es keinen Zweifel. So und nicht anders muss eine junge „Kulturclique“ arbeiten!
Termine
Antonomasie“ heißt die Ausstellung des Video- und Performancekünstlers Anton Kaun aka Rumpeln in der Galerie xhoch4. Zu sehen sind Zeichnungen, Videoarbeiten und elektrotechnische Objekte. Die Schau ist bis 4. September jeweils samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. ksd
Genial und schräg: die Videoperformance von Rumpeln

