»Hitzkopf in Aktion«
Donaukurier - 18.04.2009
Von Karin Derstroff
Ingolstadt (DK) Sie nennen ihn intern „Pinsel des Zorns“ und das trifft die Sache ziemlich gut. Denn wütend ruft René Arbeithuber seine malerische Kritik an Gesellschaft, Konsum und Dummheit in die Welt. Prangert an, hasst, spottet bös – in übermalten Fotoszenarien, in grellen Farben, in schriftlichen Kommentaren dazu. In der Galerie xhoch4 ist nun eine Ausstellung des einstigen Graffiti-Künstlers und heutigen xhoch4-Designers und Slut-Musikers zu sehen: Wen wundert’s, dass die „fucking fuck“ heißt und außer Leinwänden und Holz auch gleich noch die Wände der Galerie als Bildträger für ihre zornigen Statements mit einbezieht.
Rundum also Arbeithuber: in Rot und Schwarz, mit Kraken und Kreuzen, Promigesichtern und Börsianerporträts, eingebunden in vielschichtige Collagen. Grundlage sind Fotografien, Zeitungsbilder am liebsten, wie etwa der auf Riesenformat gezogene Schnappschuss von Fußballergattin Victoria Beckham und ihren beiden Kindern, den Arbeithuber flugs mit Farbe und Schrift zur Allegorie von Konsumgeilheit gestaltet. Der Frau zeichnerisch einen Dildo in die Hand gedrückt, „hab ich mir gerade gekauft“ dazugekritzelt, „Ode an die Zeitarbeit“ darüber gekrakelt, und alles mit Farbe gefasst: Fertig ist das Bild von menschgewordener Oberflächlichkeit und Dummheit, wie der Maler sie so sehr hasst. Vermutlich gäbe es an diesem Werk noch wesentlich mehr zu entdecken, doch verschreckt Arbeitshubers laute bildnerische Sprache schon mal den Betrachter-Blick und hält ihn ungewollt auf Abstand vom Detail. Und so geht es weiter in der Schau: Indezent, plakativ, detailreich, verwirrend, ein Bild ins andere überlaufend, selbst Sitzkästen hat Arbeithuber noch bemalt. Ob Naher Osten oder „Deutschland sucht den Superstar“, ob religiöse Massenaufläufe oder solche an der Börse – alles, was gesellschaftspolitische Gegenwart ist, wird auf gleiche hitzköpfige Weise zum Thema des 35-jährigen Ingolstädters. Anders: Der schlichte Spiegel, mit nichts als einem gewissen Schnurrbärtchen darauf gemalt. Wie es sich anfühlt, „Hitler“ zu sein, darf der Betrachter hier mit seinem eigenen Konterfei versuchen. Und letztendlich ist dieses kleine Werk aussagekräftiger als die vielen großen bunten lauten.
Bis 7. Mai, Mo 13 bis 18 Uhr, Di bis Fr 10 bis 18 Uhr.
Ingolstadt (DK) Sie nennen ihn intern „Pinsel des Zorns“ und das trifft die Sache ziemlich gut. Denn wütend ruft René Arbeithuber seine malerische Kritik an Gesellschaft, Konsum und Dummheit in die Welt. Prangert an, hasst, spottet bös – in übermalten Fotoszenarien, in grellen Farben, in schriftlichen Kommentaren dazu. In der Galerie xhoch4 ist nun eine Ausstellung des einstigen Graffiti-Künstlers und heutigen xhoch4-Designers und Slut-Musikers zu sehen: Wen wundert’s, dass die „fucking fuck“ heißt und außer Leinwänden und Holz auch gleich noch die Wände der Galerie als Bildträger für ihre zornigen Statements mit einbezieht.
Rundum also Arbeithuber: in Rot und Schwarz, mit Kraken und Kreuzen, Promigesichtern und Börsianerporträts, eingebunden in vielschichtige Collagen. Grundlage sind Fotografien, Zeitungsbilder am liebsten, wie etwa der auf Riesenformat gezogene Schnappschuss von Fußballergattin Victoria Beckham und ihren beiden Kindern, den Arbeithuber flugs mit Farbe und Schrift zur Allegorie von Konsumgeilheit gestaltet. Der Frau zeichnerisch einen Dildo in die Hand gedrückt, „hab ich mir gerade gekauft“ dazugekritzelt, „Ode an die Zeitarbeit“ darüber gekrakelt, und alles mit Farbe gefasst: Fertig ist das Bild von menschgewordener Oberflächlichkeit und Dummheit, wie der Maler sie so sehr hasst. Vermutlich gäbe es an diesem Werk noch wesentlich mehr zu entdecken, doch verschreckt Arbeitshubers laute bildnerische Sprache schon mal den Betrachter-Blick und hält ihn ungewollt auf Abstand vom Detail. Und so geht es weiter in der Schau: Indezent, plakativ, detailreich, verwirrend, ein Bild ins andere überlaufend, selbst Sitzkästen hat Arbeithuber noch bemalt. Ob Naher Osten oder „Deutschland sucht den Superstar“, ob religiöse Massenaufläufe oder solche an der Börse – alles, was gesellschaftspolitische Gegenwart ist, wird auf gleiche hitzköpfige Weise zum Thema des 35-jährigen Ingolstädters. Anders: Der schlichte Spiegel, mit nichts als einem gewissen Schnurrbärtchen darauf gemalt. Wie es sich anfühlt, „Hitler“ zu sein, darf der Betrachter hier mit seinem eigenen Konterfei versuchen. Und letztendlich ist dieses kleine Werk aussagekräftiger als die vielen großen bunten lauten.
Bis 7. Mai, Mo 13 bis 18 Uhr, Di bis Fr 10 bis 18 Uhr.
„Pinsel des Zorns“: Die Galerie xhoch4 zeigt Werke des Malers und Slut-Musikers René Arbeithuber. Foto: Herbert

