Über xhoch4
Christian Bolza
Konzeption und Gestaltung
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Interview-Auszug aus dem Buch "YOUNG GERMAN DESIGN"
1. Was denkst Du über aktuelles Grafik-Design aus Deutschland? Lassen sich Tendenzen ablesen?
C: Grafik-Design aus Deutschland ist für mich zur Zeit bedingt u. a. durch den Arbeitsmarkt sehr "mediengestalterlastig" und "verwässert". Dh., dass ich das Gefühl habe, dass der Bereich überlaufen ist von Menschen die da irgendwie reingerutscht sind - sei es durch Fortbildungsmaßnahmen, angetrieben durch den Hype der Medienberufe oder weil die Technik es zulässt. Es gibt immer mehr Selbstständige, es werden immer mehr Dinge recycled, starke gestalterische Trends entstehen und formal wird zunehmend oft Schindluder getrieben. Das ist hart für alle Beteiligten - die Folgen gilt es Abzuwarten.
2. Wie beurteilst Du Grafik-Design aus Deutschland im internationalen Vergleich?
C: Ich persönlich sehe schon immer die Schweizer ganz weit vorne. Akribische, frische Arbeiten, die Trend unabhängig zahlreich umgesetzt werden.
3. Wer ist Dein Favorit unter den deutschen Grafik-Designern? Warum? Hast Du ein Vorbild?
C: Vorbilder gibt es zahlreich. Jeder, der etwas Positives gradlinig mit totaler Hingabe betreibt, verdient sich meinen Respekt. Die Diziplin in welcher sich derjenige bewegt ist dabei egal. Gestalter gibt es dabei viele.
4. Wo siehst Du in Zukunft deutsches Grafik-Design?
C: Abhängig von Antwort 1.
5. Aus welchen Gründen hast Du Dich selbständig gemacht? Mit welchen Erfahrungen?
C: Ich habe zuvor länger als Freelancer gearbeitet, was mich hat viel lernen lassen. Irgendwann dann will man verantwortlich sein, eine eigene Linie durchsetzen, die Fehler selber machen und nicht nur zugucken, wie sie passieren.
6. Ist der Standort für ein Designbüro wichtig? Warum? Nach welchen Kriterien hast Du Deinen Standort gewählt?
Ich als norddeutscher Junge muss sagen: Bayern ist besser als der allgemeine Ruf vermuten lässt... ;-)
7. Arbeitest Du auch an eigenen Projekten? Welche? Was ist Deine liebste Designaufgabe?
C: Eigene Projekte werden mit der freien Zeit, die immer weniger wird, auch immer seltener. Meist verlässt sowas die Planungsphase nicht und kommt auf die ewige Todo-Liste. Wenn ich etwas fertig bekommen habe, waren es meist Web-Geschichten oder Kleinstauflagen an sinnlosen, jedoch schönen Accessoires.
8. Was ist für Dich typisch deutsches Design?
C: Wirklich Typisch deutsches Design ist negativ gesehen für mich zahlreich behaftet mit zuvielen Kompromissen und dem Weg des kleinsten Übels. Irgendwas zwischen Langweile und Angst. Positiv betrachtet ist deutsches Design formal 1A.
9. Glaubst Du, dass Du mit 65 noch als Designer arbeitest? Wie wird Deine Arbeit dann aussehen?
C: Einmal Gestalter - immer Gestalter. Jedoch hoffe ich, dass ich beruflich den richtigen Zeitpunkt erkenne, die reine, innovative Gestaltung anderen, jüngeren Menschen zu übergeben, bevor ich Gefahr laufe, festzustecken und peinlich zu werden. Administrativ-gestalterische Aufgaben kann ich mir genauso gut vorstellen, wie eine Professur oder ein Dasein als Berater.
10. Welche Rolle spielt für Deine heutige Arbeit als Designer Deine Ausbildung? Hat sie Dich beeinflusst, in eine bestimmte Richtung gedrängt, gewiesen? Was denkst Du über Deine Ausbildung aus heutiger Sicht?
C: Ich habe lange gearbeitet, ohne eine klassische Ausbildung zu haben und auch erst später angefangen zu studieren, um dann doch ein Diplom vorweisen zu können. Technisches oder theoretisch sinnvolles Wissen habe ich mir stets autodidaktisch beigebracht und praktisch ertestet. Ich habe großes Glück, gefunden zu haben, was ich wirklich und ausschliesslich gut kann. Das Studium an der FH habe ich dann später, bis auf einige Ausnahmen, eher als Abfrage und Bestätigung dieser selbst erlernten Fähigkeiten wahrgenommen.

