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Interview-Auszug aus Buch "YOUNG GERMAN DESIGN"
1. Was denkst Du über aktuelles Grafik-Design aus Deutschland? Lassen sich Tendenzen ablesen?
R: Es könnte ruhig noch ein bißchen angeschoben werden. Im Vergleich zu z.B. Holland, der Schweiz oder England liegt Deutschland was den innovativen Output angeht noch zurück. Das liegt aber nicht an der fehlenden Qualität, sondern an einer noch nicht ausdefinierten Identität. Es ist schön mitanzusehen, wie die Street Art- und Graffitileute langsam aber sicher die Designwelt infiltrieren. Das bringt, neben der Klarheit und Schlichtheit, die ich auch sehr mag, auch unkontrollierbare Impulse und neue Möglichkeiten.
2. Wie beurteilst Du Grafik-Design aus Deutschland im internationalen Vergleich?
R: Siehe 1.
3. Wer ist Dein Favorit unter den deutschen Grafik-Designern? Warum? Hast Du ein Vorbild?
R: Fons Hickmann wegen seiner Vielseitigkeit. Via Grafik wegen der perfekten Verbindung von Street Art und schlichter Grafik.
4. Wo siehst Du in Zukunft deutsches Grafik-Design?
R: Ich glaube, daß da noch einiges kommt. Das erfordert aber noch ein Stück mehr Mut und Selbstbewußtsein. Wir sollten es den Fußballern nachmachen.
5. Aus welchen Gründen hast Du Dich selbständig gemacht? Mit welchen Erfahrungen?
R: Die Chemie zwischen uns stimmt einfach und es war völlig klar, daß wir diesen Schritt sehr früh wagen werden. Wir kennen uns nun auch schon sehr lange. Bisher läuft alles nach Plan oder sogar noch besser.
6. Ist der Standort für ein Designbüro wichtig? Warum? Nach welchen Kriterien hast Du Deinen Standort gewählt?
R: In unserem Fall ist das klar ersichtlich. Bei uns gibt es nur zwei Büros, die einen gehobenen Qualitätsanspruch haben, bzw. nicht mit visuellen Scheuklappen durch die Welt gehen. Das ist natürlich gut um etwas zu bewegen und neue Kunden mit Qualität und Frische zu überzeugen. Wir haben unseren Standort mit aus diesen Gründen nicht geändert und sind erst mal in unserer Heimat geblieben, nicht zuletzt weil unsere Stadt in den letzten Jahren als die Boomtown Süddeutschlands gilt.
7. Arbeitest Du auch an eigenen Projekten? Welche? Was ist Deine liebste Designaufgabe?
R: Jeder von uns hat seine Steckenpferde. Ich male großformatige Leinwände und stelle ca. drei mal im Jahr aus. Würde gerne mehr machen, aber das läßt die Zeit nicht zu.
8. Was ist für Dich typisch deutsches Design?
R: Schwierig zu definieren. Ich glaube, DAS typische deutsche im Design heutzutage ist noch nicht so wirklich klar, wird sich wohl aber in den nächsten Jahren ergeben. Es gibt aber sehr reduziertes Grafikdesign, das in den letzten Jahrzehnten wohl typisch deutsch war.
9. Glaubst Du, dass Du mit 65 noch als Designer arbeitest? Wie wird Deine Arbeit dann aussehen?
R: Schätze schon. Oder ich bin dann Maler. Wie die Arbeiten dann aussehen weiß man doch jetzt noch nicht. Wer weiß, welche Strömungen einen noch beeinflußen.
10. Welche Rolle spielt für Deine heutige Arbeit als Designer Deine Ausbildung? Hat sie Dich beeinflusst, in eine bestimmte Richtung gedrängt, gewiesen? Was denkst Du über Deine Ausbildung aus heutiger Sicht?
R: Ich habe nur ein Jahr KD studiert, weil ich dann mit meiner Band „Slut“ einen Plattenvertrag bekommen und deswegen das Studium auf Eis gelegt habe. Natürlich macht man nebenbei immer weiter, hört nie auf alles visuelle aufzusaugen und dementsprechenden Output zu produzieren.

